Mythen rund um das Thema Erkältung: Sauna, Antibiotika und Co. – was hilft wirklich?

Wer an Halsschmerzen, Schnupfen, Husten und Co. leidet, kann sich meist von Freunden und Bekannten viele Ratschläge anhören: Bei einer Erkältung helfen Antibiotika, Schwitzen in der Sauna und außerdem sollte man warmes Bier trinken. Was aber ist dran an diesen Tipps? Wir haben die häufigsten Erkältungsmythen auf den Prüfstand gestellt.

Mit einer Erkältung in die Sauna – das ist nicht immer ratsam.

1. Mythos: Eine Erkältung kann man in der Sauna ausschwitzen

Die Finnen schwören auf die heilsame Wirkung der Schwitzkur – und tatsächlich ist häufiges Saunieren gut, um das Immunsystem zu stärken und einer Erkältung (grippalen Infekt) vorzubeugen, vorausgesetzt man geht regelmäßig in die Sauna.

Anders sieht es aus, wenn Halsschmerzen, Schnupfen, Husten und Co. bereits ausgebrochen sind. Die Hitze stresst den ohnehin geschwächten Körper zusätzlich und belastet Kreislauf und Herz. Schlimmstenfalls droht sogar ein Kreislaufkollaps. Weil der Organismus mit der Hitzebelastung zurechtkommen muss, fehlt ihm die nötige Energie, um die Krankheitserreger zu bekämpfen und der grippale Infekt kann sich verschlimmern. Wer dennoch die Erkältung in der Sauna ausschwitzen möchte, sollte zudem beachten, dass man dabei auch andere Saunagänger anstecken kann, da Erkältungsviren beispielsweise beim Niesen, Husten oder durch Kontakt infizierter Gegenstände übertragen werden können.

2. Mythos: Warmes Bier hilft bei einer Erkältung

Ein Hausmittel, zu dem oft bei einer Erkältung geraten wird, ist warmes Bier. Und tatsächlich enthält der Hopfen im Bier ätherische Öle und Bitterstoffe, die entspannend und schlaffördernd wirken und dem Körper zur dringend benötigten Ruhe verhelfen können. Die Wärme des Getränks empfinden Betroffene vor allem bei Halsschmerzen als wohltuend..

Sie sollten jedoch keineswegs zu viel warmes Bier bei einer Erkältung trinken, da der Alkohol dem Körper Flüssigkeit entzieht und das Immunsystem schwächen kann. Maximal sollten es nicht mehr als zwei kleine Gläser vor dem Schlafengehen sein. Eine Alternative stellt alkoholfreies Bier dar.

Um die positiven Eigenschaften des Bieres zu erhalten, sollten Sie es auf maximal 40 Grad Celsius erwärmen. Da warmes Bier in der Regel etwas bitterer schmeckt, können Sie das Hausmittel bei einer Erkältung auch mit Honig versüßen. Das hat übrigens noch einen weiteren Vorteil: Denn Honig enthält entzündungshemmende Stoffe – und kann dadurch Halsschmerzen lindern.

3. Mythos: Bei einer Erkältung sind Antibiotika angesagt

Noch immer hält sich hartnäckig die Annahme, dass bei einer Erkältung die Gabe von Antibiotika erforderlich sei. Tatsächlich wirken die Substanzen aber nur gegen Bakterien, Ursache einer Erkältung sind jedoch in den meisten Fällen Viren. Somit sind Antibiotika bei einer Erkältung oft wenig sinnvoll. Die Gabe kann im Gegenteil sogar Nebenwirkungen haben:

 

    • Durch eine häufige Einnahme von Antibiotika können Bakterien Resistenzen (Widerstandsfähigkeiten) gegen die Wirkstoffe entwickeln.
    • Unser Darm ist nicht nur mit „schlechten“, sondern auch „guten“ Bakterien besiedelt , die für den Menschen gesundheitsförderlich sind. Antibiotika können das jedoch nicht unterscheiden, weshalb teilweise auch nützliche Darmkeime abgetötet werden.

Antibiotika sind bei einer Erkältung nur dann hilfreich, wenn ihr eine bakterielle Infektion zugrunde liegt. Zu einer solchen kann es auch zusätzlich zur viralen Infektion kommen (bakterielle Superinfektion).

4. Mythos: Erkältung und Küssen – bin ich ansteckend?

Küssen gilt als die schönste Nebensache der Welt – aber nicht bei einer Erkältung, da es ansteckend ist, oder? Hier können wir Entwarnung geben. Die Gefahr, durch das Küssen einer erkälteten Person zu erkranken, ist relativ gering. Zwar können beim Küssen Bakterien oder Viren übertragen werden, diese gelangen bei gesunden Menschen jedoch mit dem Speichel in den Magen und werden dort von der Magensäure unschädlich gemacht. Vorbeugend ist küssen sogar gesund: Beim Küssen durchströmen uns nicht nur Glückshormone, auch die Produktion von Antikörpern wird angeregt und unsere Abwehrkräfte gestärkt.

1Koenighofer et al.: Carrageenan nasal spray in virus confirmed common cold: individual patient data analysis of two randomized controlled trials. Multidisciplinary Respiratory Medicine 2014 9:57.